OHA Zeitung aus dem Pfaffenwinkel - 1998 - Juli - Seite 1

Link: seite01.pdf

200 ohas Für eine mögliche Zukunft! Wenn ich die Leute frage, was ihnen zum oha spontan einfällt, dann höre ich oft bunter Tupfer, Mosaik, Kaleidoskop, Fleckerlteppich. Aber nicht selten gibt es auch Etikettierungen wie linkes Blatt, Chao-ten- Zeitung, Zeitung der Grünen, Pamphlet oder kein Kommentar. „Die Zeitung kenn ich nicht“ höre ich kaum noch. Was der oha von seinen Leserinnen und Mitarbeitern verlangt, ist viel, sehr viel Toleranz. Eine Forderung, die ich manchmal von Le-sern höre, aber nie ganz erfüllt werden kann, lautet: Der oha soll gute Beiträge und das bringen, was mich interessiert. Gerne füge ich dann hinzu: Ich mag aber keinen oha, der mir nur die Meinung, die ich habe, immer wieder bestätigt. Hier noch ein paar Thesen: These eins (kurz & bündig): Wer einen Artikel im oha schreibt, hat bessere Chancen unzensiert gelesen zu werden als anderswo. These zwei (ausführlich & weitschweifig): Wem die Zukunft wich-tig ist, der könnte im oha eine Gestaltungsmöglichkeit finden. Aber es gibt wohl zu viele, die gerne auf Zukunft verzichten und lieber jetzt alles so schön genießen wollen, solange es eben noch geht. Nicht dran denken, was da auf uns zukommt, heißt die ideale Methode, Zukunftsängste zu bewältigen. Verdrängung ist halt bequemer, als den Versuch zu unternehmen, beispielsweise die Bahnlinie Lands-berg- Schongau zu reaktivieren, um die Straßen zu entlasten. Das Paradoxe daran ist: Wer Auto fährt, weil er es beruflich braucht, müsste eigentlich an vorderster Front für die Entlastung der Straßen kämp-fen. Aber es ist genau umgekehrt. Die oft im Stau stehen (müssen), kämpfen für weiteren Straßenbau, obwohl das Netz an Fahrmög-lichkeiten fürs Privatauto bei uns sowieso schon besser ist als ir-gendwo sonst auf der Welt. These drei (kurz & unangenehm): Es geht nichts vorwärts, wenn der Mut fehlt, bei jemandem anzuecken. Solcherlei Ängste dürften im oha etwas geringer sein als in den meisten anderen Medien. Das macht den oha natürlich nicht unbedingt beliebt, vor allem nicht bei denen, die den Bürger nur alle paar Jahre brauchen, um wieder die Macht ausüben zu können. These vier (angenehm): Der oha hat Langzeitwirkung. Auch Bür-germeister (wie Herr Rawe) greifen heute noch in ihrer Argumenta-tion auf Artikel zurück, die vor 12 Jahren im oha erschienen sind. Fazit: Gefilterte Nachrichten und Meinungen gibts wirklich genug. Was fehlt, ist das Engagement möglichst vieler, die sich nicht vom allgemeinen Gerede und Geschreibe einlullen lassen, die bereit sind, alternative Wege einzuschlagen, um das fast Unmögliche noch zu schaffen — eine menschliche Zukunft. Sigi Müller Das Titelbild, das die größte und längste Erregung erzeugte. Seite 5: Bund Naturschutz WM-SOG — Seite 6/7/8: Umweltinitiative Pfaffenwinkel e. V. ZEITUNG AUS DEM PFAFFENWINKEL Herausgeber: Presseverlag Oberland OHA J oha J oha? J oha! C Beilage zur 200. Ausgabe Als Titelbild der ersten zehn Ausgaben — bis Okto- ber 1982 — wurde diese Ansichtskarte verwen- det. Ein knappes Jahr später im Juni und Juli 1983 gabs dann nochmal eine Renaissance. Nr. 07/98 l B 10417 E l Juli 1998 Herr Dekan Volkmar Horcher, der übrigens im letzten Jahr auch ein Jubiläum, nämlich sein 25-jähriges Dienstjubiläum, in Steingaden feiern konnte, hat in der März-Ausgabe 1987 in einem Leserbrief gegen diese Karikatur protestiert. Seine Stellungnahme, die wir hier nochmals abdrucken, löste eine heftige Diskussion aus: Sehr geehrter Herr Schuster, einige Laien und Priester haben mir die Zeitung oha – 6. Jahrgang – Februar 1987 gesandt, denn sie waren mit Recht empört über die Karikatur und den Text „Komm Herr Jesus, sei unser Gast und ent-gifte, was Du uns bescheret hast!“ Nicht nur als Dekan des Dekanats Schongau, sondern auch als Pri-vatmann werfe ich Ihrer Zeitung blasphemische Gestaltung und Be-leidigung der Gläubigen vor. Wollen Sie damit nur Ihre eigene Hal-tung dokumentieren oder wollen Sie gar so tun, als sei dies die Hal-tung der gesamten Umweltinitiative Pfaffenwinkel? Müssen Sie zu solchen Mitteln greifen? Damit desavouieren Sie auch Ihre guten und notwendigen Anliegen. Davon abgesehen ist Ihr Text unsinnig, zumal Sie doch mit Recht behaupten, dass die Vergiftungsgefahren durch das Tun bzw. das Unterlassen der Menschen kommen und die Abwendung der Gefahren dringende Aufgabe der Menschen ist. Darum aus doppeltem Grund protestierend Volkmar Horcher, Dekan Im April-oha 1987 gab es dann auf Seite sechs unter der Überschrift „Blasphemie?“ einen Schlagabtausch zwischen Bernhard Keller, Dekan Horcher und Sigi Müller, der für die Auswahl des Titelbildes damals verantwortlich war. 2/87
Pfaffenwinkel.net Logo

© 1998-2000 by pro-ite. Alle Rechte vorbehalten.